Liebe am Arbeitsplatz

Liebe am Arbeitsplatz*

Echte Gefühle oder nur ein Flirt?

Liebe am Arbeitsplatz40 Prozent der Deutschen waren schon einmal in einen Kollegen, in eine Kollegin verliebt. Wenn man älter als 30 Jahre ist, entsteht etwa ein Drittel aller Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz. Es ist heutzutage fast zur Normalität geworden, dass wir am Tag mehr Zeit mit unseren Kollegen verbringen als mit dem eigenen Partner. Auch US-Präsident Barack Obama lernte seine große Liebe am Arbeitsplatz in einer Kanzlei kennen. Dass es oft zu Liebeleien und Affären am Arbeitsplatz kommt ist nichts Neues. Doch stecken wirklich wahre Gefühle dahinter?

Realität oder Vision?

Mit „dem Menschen aus dem Büro“ zu lachen, die gleichen Interessen zu teilen und sich zusammen über die Kollegen aufzuregen schweißt zusammen. Dies sollte aber kein Indiz dafür sein, dass man sich gerade „um verliebt“. Oft verbringen Kollegen die meiste Zeit am Tag zusammen, das kann im Kopf zu Verwirrung führen.

Heute ist Waschtag

Im eigenen Zuhause ist wieder einmal der Haushalt liegen geblieben. Nach einem anstrengenden 9-Stunden-Tag muss noch gekocht, geputzt und die Wäsche gewaschen werden. „Warum hat sich mein Partner nicht schon um diese Sachen gekümmert?“, stellen sich viele die Frage und denken in diesem Augenblick an den Kollegen im Büro, mit dem man vor einigen Stunden noch rumgewitzelt oder gar geflirtet hat.
Doch spätestens das ist der Zeitpunkt, in der man eine verfälschte Wahrnehmung der Situation bekommen kann.
In einer langjährigen Beziehung oder Ehe schleicht sich nach und nach die Gewohnheit ein. Man zeigt sich nicht mehr täglich, was der eine dem anderen bedeutet. Der Alltag ist eingetreten und genau hier verfängt sich die „Liebe am Arbeitsplatz“.

Sind wir glücklich mit unserer Beziehung?

Das ist die Frage, die sich jeder von uns stellen sollte. Und wenn wir diese Frage mit „nein“ beantworten, dann sollten wir etwas daran ändern! „Entfliehen“ und zu der „nächstbesten“ Person (in diesem Fall dem Kollegen/der Kollegin) rennen, macht es vielleicht einfacher, ist jedoch nicht immer der klügste Weg. Vielleicht sollten wir einmal gehörig zuhause aufräumen. Den Alltag zurücklassen und wieder Zeit für gemeinsame Interessen finden, Spaß haben und wissen, dass man sich liebt, gerade weil der/diejenige jede Macke des anderen kennt. Und: wir haben gemeinsam mit unserem Partner eine „Geschichte“ geschrieben, er hat uns geformt, verändert, das Gefühl gegeben, etwas Wert zu sein. Wir (ver)trauen einander!

Arbeitskollege als Ersatz?

Sollten wir dann entdecken, dass diese Beziehung keinen Sinn mehr macht, ist es immer noch kein Zeichen dafür, dass Gefühle für den Arbeitskollegen einen Ersatz stellen. Natürlich versuchen wir Aufmerksamkeit und Gefühle zu bekommen, schließlich haben wir alle das Bedürfnis geliebt und verstanden zu werden. Wer würde sich da eher anbieten, als der Mensch, mit dem man gestern Nachmittag noch am Kopierer geflirtet hat? So kann Liebe am Arbeitsplatz viele Dinge kompensieren, uns selbst ein Stückchen träumen lassen.

Vorsicht: bleiben Sie klug!

Wir lassen uns zu schnell von unseren Gefühlen täuschen. Nur weil man an dem einen Ort nicht mehr das bekommt was man sich wünscht, heißt es nicht, dass man es längerfristig von der Person bekommt, die einem gerade schöne Augen macht. Der einfachste Weg ist nämlich nicht (immer) der Klügste!
Deswegen sollte eine Partnerschaft zuerst komplett beendet werden, bevor man etwas Neues beginnt, damit Gefühle zu einem anderen Menschen aufgebaut und wirklich gedeutet werden können.

Sollte Liebe am Arbeitsplatz verboten werden?

Nein! Auf gar keinen Fall. Schließlich arbeiten wir oft viel motivierter, wenn uns der/die Geliebte dabei zusieht und uns gegebenenfalls sogar unterstützt. Und wenn wir uns wirklich in unseren Mitstreiter verliebt haben, dann soll die Arbeit kein Hindernis für eine gemeinsame Zukunft sein.
Jedoch kommt es spätestens dann zu Konflikten, wenn die ersten Streitereien Konsequenzen im Job nach sich ziehen. Wird die Beziehung beendet, beginnt eine schwierige Zeit, bei der der Arbeitsplatz nicht mehr der Ort ist, an dem man sich von „Zuhause“ ablenken kann und so dauerhaft mit negativen Gefühlen konfrontiert wird.

Meine Tipps zur Liebe am Arbeitsplatz

1)    Lernen Sie den Kollegen/die Kollegin privat kennen! Es ist völlig normal, dass wir uns zunäct von der besten Seite zeigen. Doch wie tickt der/die andere im Alltag? Bevor diese Frage nicht geklärt ist, wäre es mehr als waghalsig etwas übers Knie zu brechen, nur, weil man sich sehr sympathisch ist.
2)    Seien Sie sicher, dass Sie für die Person am Arbeitsplatz wirkliche Gefühle hegen, die nicht daraus resultieren, dass Sie dort jene Liebe suchen, die Sie Zuhause nicht mehr bekommen.
3)    Schließen Sie mit der vorherigen Beziehung ab! Nur dann können Sie sich auf den neuen Partner einlassen. Alles hat seine Zeit: auch das Abschied nehmen vom alten Partner!

Sollten diese Punkte gegeben sein, steht einer „Liebe am Arbeitsplatz“ nichts mehr entgegen. Wichtig ist und bleibt es trotzdem, bei den anderen Kollegen mit offenen Karten zu spielen. Alles andere kann ansonsten schnell fehlinterpretiert werden und zu großer Unruhe innerhalb des Unternehmens führen.

*Dies ist ein Gastbeitrag einer Kundin, die Ihre eigene Situation sehr realistisch einschätzen konnte. Vielen Dank und Respekt für dieses riesige Stück emotionale Arbeit!

Nachtrag vom 12.02.2018 – und dies ist kein Märchen !
Inzwischen hat sich diese Kundin von ihrer Chefbeziehung getrennt, gekündigt, eine zufriedene Stelle und Lebenspartner gefunden, geheiratet und wird nun Mutter! Ich wünsche ihr weiterhin viel Erfolg für Ihre weitere Zukunft!

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