Narzissmus als Persönlichkeitsstörung?

Gerade in der Unternehmensberatung wie auch Politik stoßen wir oftmals auf Führungskräfte, die wegen Ihrer dominierenden Persönlichkeit gerne von anderen als „Narzissten“ bezeichnet werden. In diesem Beitrag möchte ich herausstellen, dass hier zwingend zwischen positivem Narzissmus (stabiles Selbstwertgefühl) und negativem Narzissmus (mangelndes Selbstwertgefühl) unterschieden werden sollte. Denn gerade in bestimmten Unternehmenssituationen kann eine narzisstische Grundeinstellung von Führungskräften erfolgreich Veränderungen bewirken, wie z.B. bei Umstrukturierungen oder äußeren/inneren Bedrohungen.

Definition Narzissmus

Narzissten sind auf sich selbst bezogene Menschen, die andere vernachlässigen, egoistische und egozentrische Wesensmerkmale zeigen. Der Eigennutz geht ihnen vor Gemeinwohl und wenn sie lieben, dann nur, um selber geliebt zu werden. Narzissmus bedeutet aber wesentlich mehr als eine schlichte Selbstliebe, Narzissmus ist eine innere Bezogenheit auf das Selbst, um ein inneres Gleichgewicht, Wohlbehagen und Selbstsicherheit aufrechtzuerhalten. Narzissmus ist daher nicht zwangsläufig abnorm oder krankhaft. (Stangl, W. (2019). Der Narzissmus – Eine Persönlichkeitsstörung).

Auch wird immer wieder von positiven Auswirkungen narzisstischer Führung berichtet, die hier ebenfalls kurz vorgestellt werden sollen, um eine umfassende Sicht auf die Wirkungsweisen narzisstischer Führung zu erhalten.

Maccoby (2000) nennt als positive Aspekte, dass narzisstische Führungskräfte häufig große Visionäre sind und es schaffen, ihre Anhängerschaft zu begeistern und zu inspirieren. Durch starkes Selbstvertrauen und großen Optimismus schaffen sie es, andere dazu zu bringen, innovative und hochgesteckte Ziele zu verfolgen (Chatterjee & Hambrick, 2007 zit. n.Rosenthal & Pittinsky, 2006). Auch Yukl (2013) beschreibt, dass narzisstische Führungskräfte ihre Mitarbeiter fördern, damit sie auch gewagte, innovative Ziele verfolgen. Trotz fragwürdiger Motive für das Anbringen riskanter und neuer Anstöße ist eine narzisstische Person manchmal erfolgreich darin, eine Organisation durch ernste Bedrohungen zu führen (Yukl, 2013).

erfolgreiche Führungskräfte

Um als narzisstisch geprägte Führungskraft erfolgreich zu sein, sollte die narzisstische Prägung durch Selbsterkenntnis und bestimmte organisationale Strukturen eingeschränkt werden (Maccoby, 2000). Solche Strukturen können beispielsweise Kontrollen der Pläne und Vorhaben der narzisstisch geprägten Personen auf Umsetzbarkeit durch Dritte (z.B. Coaching) oder begleitendes Führungsteam beinhalten. Das zu erreichen setzt aber zunächst ein gewisses Maß an Ichbewusstsein und Reflexionsfähigkeit bei den Führungskräften voraus. Geschieht das, können die großartigen Visionen der narzisstisch geprägten Führungskraft Aussicht auf Umsetzung haben und so dem Unternehmen zu Fortschritt und Innovation verhelfen (Maccoby, 2000). In unserem Artikel: „Partizipative Leitbildentwicklung“ haben wir näher beschrieben, wie dies mit Beteiligung von Management und Mitarbeitern in Unternehmen durch Steuer- und Lab-Gruppen umgesetzt werden kann. Dieses Konzept der Experimentierräume 4.0 wird u.a. durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) durch das Programm unternehmensWert:mensch plus gefördert und entwickelt. Microsoft München, „“Smart Workspace“ sowie zahlreiche große deutsche Unternehmen praktizieren dies erfolgreich schon seit Jahren. Die Karriere- und Unternehmensberatung Kablitz ist für diese Methode zertifiziert.

Auch konnte gezeigt werden, dass narzisstische Führungskräfte positive Auswirkungen auf ihre Anhänger (Mitarbeiter) haben können, wenn ihr Narzissmus durch Demut/Bescheidenheit gemildert wird (Owens, Wallace & Waldman, 2015).

Bewusstes Führen mit Unterstützung von Coaching und Organisationsstrukturen

Zusammenfassend können so folgende Thesen aufgestellt werden:

  • Narzisstisch geprägte Führungskräfte können durch Ihre Visionen und Handlungen ein Unternehmen bei Umstrukturierungen und Krisen erfolgreich unterstützen und MitarbeiterInnen zu eigenständigem Handeln motivieren.
  • Zwingend notwendig ist hier eine Begleitung durch Dritte (z.B. Coaching), sowie strukturelle Voraussetzungen wie partizipative Mitarbeiterführung als Führungskonzept und/oder das Einbringen organisationaler Strukturen (z.B. Konferenzsystem).

Vielen Dank auch an unsere Werkstudentin Frau Nicola Heitmann. Sie hatte sich mit diesem Thema im Rahmen Ihrer Bachelorarbeit im Studium Psychologie beschäftigt und mir einige Literaturhinweise und Anregungen zur Verfügung gestellt.